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Beitrag vom 05.07.2019: Stufen contra Rollstuhl

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Uwe: Um möglichst viele unterschiedliche Probleme zu sammeln, auf die Rollstuhlfahrer im Alltag stoßen, sind wir hier im Haus auf Stimmenfang gegangen.
Hartmut: Am häufigsten wurde folgendes genannt: Stufen vor dem Eingang, ein fehlender oder zu kleiner Aufzug, keine Behindertentoilette oder auch Bordsteinkanten, die keine abgesenkten Stellen haben, über die man die Straßenseite wechseln kann. Durch die Umfrage wurde uns aber auch klar, dass man als Rollstuhlfahrer von vornherein nur eine begrenzte Auswahlmöglichkeit hat, denn man kann nur aus den Restaurants, Arztpraxen, Geschäften usw. auswählen, die ohne Hindernisse für Rollstuhlfahrer zu erreichen sind.           
Uwe: Dem gegenüber steht das Bundesteilhabegesetz, das Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen.
Jutta: Unsere Idee war, in einem Radiobeitrag ganz konkrete Beispiele zu beschreiben, bei denen Rollstuhlfahrer durch Hindernisse ausgegrenzt werden, wir wollen aber auch Beispiele aufzeigen, bei denen eine Lösung für Rollstuhlfahrer gefunden wurde.
Uwe: Dafür machten wir uns am Mittwoch, den 19. Juni auf den Weg nach Bad Mergentheim.
Georg: Es war ein Tag mit hochsommerlichenTemperaturen, die wir bei unserer Planung natürlich nicht vorhersehen konnten.
Eigentlich hatten wir vor, eine mobile Rampe mitzunehmen, die wir in MGH bei den Gebäuden einsetzen wollten, bei denen man nur über Stufen hinein kommen kann. So wollten wir den Besitzern der Geschäfte zeigen, mit welchen einfachen Hilfsmitteln man Rollstuhlfahrern Zugang verschaffen könnte. Leider war die Rampe, die wir uns geliehen hatten, zum Mittragen auf unserem Stadtbummel zu schwer, sodass wir auf sie verzichten mussten.
Uwe: Mit dem hauseigenen Bus machten wir uns also auf den Weg.
Hartmut: In Bad Mergentheim ist es aber gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden, der groß genug ist. Zum Glück haben uns die Mitarbeiter der Tagesstrukturierung einen guten Tipp gegeben, wo sie immer einen Platz finden, nämlich am Ende der Bucht einer Bushaltestelle. Dort kennen die Busfahrer der Stadt schon das Logo auf unseren Fahrzeugen und haben für unsere Situation Verständnis, noch nie hat es Ärger gegeben.
Uwe: Auf dem Weg in die Innenstadt kamen wir an einem Schmuckladen vorbei, aber in diesen Laden kommt man als Rollifahrer nicht hinein, er ist nur über Stufen zu erreichen.
Jutta: Für uns die Gelegenheit, ein Negativbeispiel aufzugreifen. Auf unsere Nachfrage sagte eine Mitarbeiterin:“ Nein hier kommen sie nicht hinein, das liegt an unserem Chef, ein Umbau wäre zu aufwändig.“
Uwe: Um so mehr freute ich mich dann schon auf das Geschäft, in dem ich vor einiger Zeit eine gute Erfahrung gemacht hatte.

Georg: Damals gab es zwar keine Rampe am Eingang, aber eine Mitarbeiter legte kurzerhand eine mobile Rampe hin. Dieses Mal war das Gespräch allerdings sehr ernüchternd. Eine Mitarbeiterin erklärte, dass sie zwar eine Rampe hätten, die aber nur für die Anlieferung der Ware eingesetzt werden dürfe. „Das Ordnungsamt gibt ganz klare Anweisung, dass nichts vor die Türe gestellt werden darf.“ Das hätte vermutlich auch etwas mit der Bushaltestelle zu tun, die vor diesem Geschäft ist.
Uwe:  Weiter ging es durch die Innenstadt.
Hartmut: Auf unserem Rundgang stellten wir allerdings fest, dass viele Geschäfte baulich so günstig liegen, dass sie problemlos, also ohne Stufen erreichbar sind.
Uwe: Um die Mittagszeit herum zeigte ich das Lokal, von dem ich schon in einer radioEdi Redaktionssitzung erzählt hatte.
Jutta: Stufen ohne Rampe machen das Restaurant unerreichbar. Da in dieser Jahreszeit aber viele Tische im Freien stehen, kam Uwe hier doch noch zu seinem Essen.
Uwe: Nach dem Essen suchten wir wieder einmal ein schattiges Plätzchen für die nächste Lagebesprechung.

Georg: Die Hitze wurde langsam so drückend, dass unsere Unternehmenslust langsam in den Keller ging. Da einige von uns noch unbedingt etwas einkaufen wollten, arbeiteten wir erst mal unsere Einkaufslisten ab. Danach belohnten wir uns mit einem dicken Eis.
Uwe: Auf unserem Plan standen eigentlich noch einige Programmpunkte, die wir an diesem Tag abarbeiten wollten.
Hartmut: Die Hitze hatte uns aber alle so erledigt, dass es grade noch reichte, einen Schlenker in´s „Haus der Gesundheit“ zu machen, wo uns Andrea den Aufzug zeigen wollte.  
Andrea: Wir stehen jetzt hier vor dem Aufzug zu meinem Neurologen und wie ihr sehen könnt, ist der Aufzug ziemlich eng. Ich passe mit meinem E-Rolli nur mit Mühe und Not hinein.
Uwe: Unser Fazit ist, was Barrierefreiheit betrifft gibt es noch viel zu tun.
Jutta: Wir haben aber auch gesehen, dass für Rollstuhlfahrer vieles problemlos möglich ist. Eine Tatsache hat sich als besonders wichtig herausgestellt. Wenn man im Gespräch bleibt, wenn sich Rollstuhlfahrer und Fußgänger austauschen und über ihre Probleme reden, entsteht auf beiden Seiten Verständnis und vielleicht ganz langsam auch eine Verbesserung.


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